Minderwertigkeit als Urangst

Urangst der Minderwertigkeit

Viele Menschen tragen das Gefühl in sich, nicht gut genug zu sein. Dieses Gefühl der Minderwertigkeit kann einen Lebensbereich betreffen oder aber eine generelle Haltung sein. Der eigene Selbstwert wird also sehr niedrig angesetzt.

Wie kommt dies und was können wir tun, um diese Programmierung zu verändern, die sich häufig letztendlich selbst erfüllt?

Dies schauen wir uns in diesem Artikel gemeinsam an.

Der Dirigent im Unterbewusstsein

Unser inneres System ist sehr auf Effizienz ausgelegt. Deshalb werden alle Lernerfahrungen, Erlebnisse, Gedankenschleifen usw. abgespeichert. Tritt eine ähnliche Situation ein, hat unsere zentrale Steuerung bereits ein Muster, wie sie reagieren kann.

Vor allem Emotionen spielen dabei ein starke Rolle. Wenn ein Erlebnis mit einer bestimmten Emotion verbunden ist, werden beide miteinander gekoppelt. Ist es eine positiv empfundene Emotion, wird das Erlebnis den erwünschten Handlungsketten hinzugefügt. Ist eine negative Emotion dabei, wird es in der Zukunft eher um die Verhinderung einer Wiederholung gehen.

Grundsätzlich sind solche Mechanismus lebenswichtig für uns vor allem in Situationen, in denen keine Zeit ist, um sich eine Lösung zu überlegen. Leider automatisieren sich aber auch Reaktionsketten, die zumindest in unserem heutigen Leben nicht mehr sinnvoll sind.

Die Programmierungen unserer Eltern

In unserer Kinder- und Jugendzeit übernehmen wir vieles von unseren Eltern. Während dieser „Erziehung“ ist das Ziel unserer Eltern, uns Kindern all das Rüstzeug mitzugeben, das wir für eine erfolgreiche Lebensbewältigung brauchen.

MinderwertigkeitEltern wollen in aller Regel das Beste für ihre Kinder. Sie bauen dabei auf ihren eigenen Erfahrungen auf und versuchen z.B. das, was sie selbst als negativ erfahren haben, von ihnen fernzuhalten. 

Auf diese Weise werden jedoch auch zahlreiche Programmierungen, Glaubenssätze und Prägungen teilweise über Generationen weitergegeben. Dinge waren schon immer so. Also gibt man sie auch an die nächste Generation weiter. 

Auf diese Weise erhalten wir die Maßstäbe und Ängste von unseren Vorfahren übergeben. Möglicherweise zeigt sich beim Kind die Angst nicht zu genügen, ohne dass es ein dazu passendes Erlebnis in seinem eigenen Leben gibt. Trotzdem ist diese als Urangst da. In diesem Fall ist das ein übernommener Glaubenssatz, der nichts mit der eigenen Lebensrealität zu tun hat.

Unerreichbare Vorbilder

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und erhalten praktisch für alles und jedes Vorbilder, denen es nachzueifern gilt. 

Im religiösen Bereich ist es zum Beispiel Jesus als guter Mensch und Maßstab für unser Leben. Dazu wird jedoch gleich mitgegeben, dass wir das nie erreichen können, da wir ja nicht auf einer Stufe mit Gottes Sohn sein können.

In unserer aktuellen Welt wird oft Äusserlichkeiten ein hoher Wert beigemessen. Wenn in der Modewelt überall ein bestimmter Typ präsentiert wird, kommt man sich schnell klein und nicht genügend vor, wenn man diesem so überhaupt nicht entspricht. Meistens nützen auch alle Anstrengungen nichts, um dieses vermeintliche Ideal zu erreichen. Das Ergebnis ist ein dauerhafter Frust und ein immer tiefer den eigenen Selbstwert zerstörendes Gefühl, nicht zu genügen.

Doch auch in der Schule läuft dieses Muster permanent ab. Es gibt bestimmte Normen, welcher Entwicklungsstand wann erreicht sein soll, wann man was können muss und wie man sich zu verhalten hat. Die Noten geben Auskunft, ob man dem genügt oder eben nicht. Da praktisch niemand in allem die Bestmarke setzen kann, frisst sich in jedem Menschen in irgendeinem Bereich das Bewusstsein hinein, nicht genügen zu können. Und diese Angst begleitet uns dann weiter durch das ganze Leben.

Die Rolle im Außen als Spiegel des Selbstwertes

Durch die beschriebenen Mechanismen entsteht ein inneres Selbstwertgefühl, dass in der Regel nicht mehr sehr stark ist. Dieses wird in den Rollen sichtbar, die wir im Leben einnehmen.

MinderwertigkeitBescheidenheit ist häufig eher als erstrebenswerter Wert angesehen als ein zu selbstbewusstes Auftreten. Viele Menschen erreichen eine Meisterschaft im sich klein Machen. Wir passen uns an, achten darauf nicht aufzufallen und herauszustechen, schwimmen lieber mit und nehmen eine Rolle an, die unsere Gesellschaft vermeintlich erwartet.

„Ja, aber . . . “

Manchmal spüren wir tief in uns zwar doch noch das Gefühl, dass wir mehr könnten und eigentlich lieber einen anderen Weg einschlagen möchten. Doch schnell meldet sich dann unser innerer Kritiker, der uns wieder zurück in die gewohnten Bahnen holt. Dies geschieht gerne durch ein „Schönreden“ der aktuellen Situation.

„Ich kann in meinem aktuellen Job zwar meine Fähigkeiten nicht richtig einbringen, aber ich habe nette Kollegen.“

oder

„Ich wünsche mir eine erfüllende, liebevolle und fürsorgliche Partnerschaft auf Augenhöhe. Aber den passenden Partner für mich gibt es wohl nicht und ohne Kompromisse geht es ja nicht.“

Der eigene Selbstwert als Geschenk für unsere Gesellschaft

Jeder von uns bringt ein großes Potenzial an Fähigkeiten, Eigenschaften, innerem Wissen und vieles mehr mit in diese Welt. Ich bin sicher, dass dies alles einen Sinn hat. 

Wenn jeder von uns sich bewusst wäre, aus welcher Fülle er schöpfen könnte, welche großartigen Möglichkeiten hätten wir dann als Gesellschaft, unsere Welt zu gestalten?

Die gute Nachricht ist, dass wir alle unseren Selbstwert stärken und unser Potenzial wieder entdecken können. Mit dem Bewusstsein, was hinter dem Gefühl, nicht zu genügen, steckt, ist bereits der erste Schritt getan. Alte Familienmuster, Prägungen, Glaubenssätze, das alles können wir loslassen, wenn wir die Mechanismen verstanden haben. Und dann wird das bis anhin unterdrückte und versteckte Potenzial sichtbar.

MinderwertigkeitMit dem Freilegen von unserem tief in uns schlummernden Potenzial wächst der Selbstwert, das Bewusstsein für die eigene Größe. Und auf einmal scheinen neue und freudvolle Wege im Leben ganz leicht möglich zu sein. 

Dies ist meine Vision, dass jeder Mensch sein volles Potenzial entfalten und unsere schöne Welt mit dieser Fülle bereichern kann. Wie schön wäre unsere Gesellschaft, wenn sich alle Menschen auf Augenhöhe und in ihrer vollen Größe begegnen in dem Bewusstsein, in ihrem So-Sein ein wertvoller Teil zu sein. 

Mit meiner Arbeit unterstütze ich dies von Herzen gerne und ich bin überzeugt, dass mit jedem kleinen Schritt, den jemand von uns in diese Richtung geht, wir als Menschheitsfamilie dieser Vision einen großen Schritt näher kommen.

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