Herzintelligenz im Herz-Hirn

Herzintelligenz

Medizinisch wird das Herz in der Regel als reine Pumpstation betrachtet. Denn physiologisch gesehen pumpt das Herz das Blut in den Lungen- und den Körperkreislauf. Außerdem scheint es als rein mechanisches Organ austauschbar zu sein. Herztransplantationen sind schon Routineoperationen. Und einzelne Teile wie die Herzklappen werden häufig ersetzt, wenn sie nicht mehr richtig funktionieren. Von Herzintelligenz ist in diesem Zusammenhang nie die Rede.

Das andere Herz

Doch das Herz ist sehr viel mehr. Viele Zitate zeigen eine ganz andere Seite des Herzens. Hier sind einige Beispiele:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“

Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

 

„Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollten, aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.“

Joseph Joubert

„Ein fröhliches Herz ist besser als jede Medizin.“

Sprüche Salomons

Das klingt schon eher danach, dass es so etwas wie eine Herzintelligenz gibt. Und tatsächlich bestätigen dies inzwischen zahlreiche Forschungen. 

Die Bedeutung des Herzens in traditionellen Weisheitslehren 

Wie kein anderes Organ bringen wir das Herz mit bestimmten Emotionen in Verbindung. Dies zeigen zahlreiche Wortverbindungen wie „warmherzig“, „hartherzig“, ein „weiches“ Herz, ein „glühendes“ Herz, ein „fröhliches“ Herz, ein „gebrochenes“ Herz usw. Und das Symbol eines roten Herzens sehen wir sofort in einem Zusammenhang zu „Liebe“. Außerdem nehmen wir bestimmte Gefühle eindeutig in der Gegend um das Herz wahr.

Auch in vielen traditionellen Weisheitslehren gilt das Herz als Zentrum von Emotionen, Intuition, Weisheit, Leidenschaft und Liebe. Mehr noch, das Herz gilt als Tor zum wahren Selbst.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das Herz als „richtungsweisender Fürst“ bezeichnet. Dieser hat die Aufgabe, das Konzept und die Richtung für unser Handeln vorzugeben. Das Herz ist sozusagen der „Geschäftsführer“ des Organismus.

Darüber hinaus bestimmt gemäß der TCM-Lehre das Herz auch unsere Persönlichkeit. Es verleiht uns unsere persönliche Individualität. Wenn der Funktionskreis Herz aus der Balance gerät, bedeutet dies somit, dass sich das auch in unserer Persönlichkeitsstruktur bemerkbar macht.

Als dritten großen Zuständigkeitsbereich ordnet die Traditionelle Chinesische Medizin dem Herz die Aufgabe zu, das Potential umzusetzen, das wir in uns tragen.

Allein aus diesen kurzen Betrachtungen geht deutlich hervor, dass das Herz wohl eine wesentlich bedeutendere Rolle in unserem Organismus übernimmt, als lediglich das Blut in den Körper zu pumpen.

Das Herz als sensibles Sinnesorgan

Beim Fötus im Mutterleib beginnt das Herz zu schlagen, noch bevor sich ein Gehirn gebildet hat. Bis heute können die Wissenschaftler nicht erklären, was den Herzschlag in Gang setzt. Er entsteht im Herzen selbst und braucht offensichtlich keine Verbindung zum Gehirn, um weiterzuschlagen.

Mit ca. 40’000 Nervenzellen hat das Herz ein sehr komplexes Nervensystem. Damit empfängt und verarbeitet es eine große Fülle an Informationen. Die neuronale Struktur des Herzens ist damit ganz ähnlich wie die im Gehirn.

Das Nervensystem des Herzens, der Herzplexus, ist sogar ein eigenständiges Netzwerk, dass unabhängig vom Gehirn funktioniert. Dies zeigen Beispiele von Menschen, die praktisch ohne Gehirn geboren wurden und trotzdem ein normales Leben führen können.

Die Nerven des Herzplexus senden ununterbrochen Informationen an das Kopf-Gehirn. Dadurch beeinflusst das Herz unsere Wahrnehmungen und die mentalen Vorgänge.

Offensichtlich „denkt“ das Herz-Hirn völlig eigenständig und unabhängig vom Gehirn und Nervensystem. Forscher des Institute of Heart Math in Kalifornien fassen diese Erkenntnis so zusammen:

„Das Nervensystem im Herzen (das Herz-Gehirn) ermöglicht es dem Herzen unabhängig von der Großhirnrinde zu lernen, zu erinnern und Entscheidungen zu treffen. Außerdem haben zahlreiche Experimente demonstriert, dass die Signale, die das Herz ununterbrochen zum Gehirn sendet, die höheren Gehirnfunktionen, die mit Wahrnehmung, Kognition und der Verarbeitung von Emotionen befasst sind, maßgeblich beeinflusst.“

Das Magnetfeld des Herzens

Das Herz hat ein elektrisches Feld, das 40-60 mal stärker ist als das des Gehirns. Noch deutlicher zeigt sich der Unterschied zwischen Herz und Gehirn beim magnetischen Feld. Das Magnetfeld des Herzens ist bis zu 5000 mal stärker als das vom Gehirn. Noch mehrere Meter vom Körper entfernt ist es messbar.

Auf diese Weise erzeugt das Herz rhythmische Muster, die durch den ganzen Körper gehen und zahlreiche Prozesse beeinflussen. Auch das Gehirn synchronisiert sich auf diesen elektromagnetischen Puls. In Entspannung und Freude schwingen sich ebenfalls der Atem und der Blutdruck auf diesen Rhythmus ein.

Es sieht also so aus, dass unser Herz mit seinem elektromagnetischen Feld für die Synchronisation unseres ganzen Körpers sorgen kann. Anhand einer Spektralanalyse des Herz-Feldes konnte sichtbar gemacht werden, dass positive Emotionen wie z.B. Liebe und Freude gleichmäßige, harmonische Muster erzeugen. Bei negativen Emotionen wurde dagegen ein gestörtes rhythmisches Feld sichtbar.

Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt, dass das elektromagnetische Feld Informationen zwischen Menschen übertragen kann. Sogar bei einer Entfernung von bis zu 1.5 m zwischen zwei Menschen konnte ein Austausch von Herz-Energie zwischen ihnen gemessen werden.

Das Herz als Hormondrüse

Normalerweise wird unser Herz auch kaum mit einer Hormondrüse in Verbindung gebracht. Wie im Gehirn werden jedoch verschiedene Neurotransmitter und Hormone wie Noradrenalin, Dopamin und Oxytocin im Nervensystem des Herzens ausgeschüttet. Diese haben einen Einfluss auf den gesamten Körper. 

Oxytocin gilt zum Beispiel als „Liebeshormon“. Das passt ja besonders zum Herz. 

Das Herz kann also tatsächlich wesentlich mehr, als das Blut in den Blutkreislauf zu pumpen.

Teamwork zwischen Gehirn und Herz

Neue Studien zeigen, dass das Herz selber eine Art Gehirn ist. Sogar eine Kommunikation zwischen Herz und Gehirn kann bereits wissenschaftlich erklärt werden.

Das Herz beeinflusst mit den Botschaften, die es an das Gehirn sendet, Wahrnehmungen, geistige Prozesse, Lernprozesse und Emotionen tiefgreifend. Zahlreiche Experimente beweisen das. Mit seinem hochentwickelten Kommunikationssystem beeinflusst die Herzintelligenz also auch unser Gehirn. 

Selbst unser Bewusstsein scheint erst aus dem Teamwork von Gehirn und Herz zu entstehen.

Eine wissenschaftliche Erklärung gibt der Entwickler der Herzintelligenz-Methode Doc Childre: 

„Unsere Forschungen lassen vermuten, dass das Herz, entsprechend dem emotionalen Zustand eines Menschen, Informationen an das Herzzentrum im Hirnstamm (Medulla) überträgt, das seinerseits die intralaminaren Nuklei (Kerne) des Thalamus und des Mandelkerns speist. Diese Gebiete sind direkt mit der Basis des Stirnlappens verbunden, die bei der „Entscheidungsfindung“ und der Integration von Vernunft und Gefühl eine wichtige Rolle spielen. 

Die intralaminaren Nuklei senden Signale an den restlichen Kortex, um dazu beizutragen, die Kortexaktivität zu synchronisieren. Anhand des Informationsweges und -Mechanismus lässt sich erklären, wie der Herzrhythmus die Kohärenz der Hirnstrommuster verändern und dabei Gehirnfunktionen modifizieren kann.“

Herzintelligenz und Herz-Hirn

Die Wissenschaft kann heute also vieles bestätigen, was die alten Weisheitslehren schon länger wussten. Es gibt eine Herzintelligenz und neben dem Kopf-Hirn auch ein Herz-Hirn.

Etwas einfacher drückt dies Ramana Maharshi, ein indischer Weisheitslehrer aus:

„Das ganze Universum ist im Körper enthalten, der ganze Körper im Herzen. So ist das Herz der Kern des ganzen Universums.“

Selbst die Forschung kommt inzwischen zu der Schlussfolgerung, dass sowohl die Intelligenz als auch die Intuition zunehmen, wenn wir lernen, besser auf unser Herz zu hören.

Vertrauen wir also nicht nur auf unsere Gehirn- sondern vor allem auch auf unsere Herzintelligenz. Die emotionalen und intuitiven Signale, die uns unser Herz unermüdlich sendet, helfen uns bei unseren Entscheidungen. Und im Teamwork können Herzintelligenz und Gehirnintelligenz erst die besten Ergebnisse für unser Leben erreichen.

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