Das Unbewusste – die Automatikfunktion

Das Unbewusste

Nach dem Bewusstsein sehen wir uns in diesem Artikel das Unbewusste etwas näher an. Alles, was uns nicht mehr bewusst ist, was wir vergessen oder nie bewusst wahrgenommen haben, gehört zu unserem unbewussten Anteil.

Hirnbereiche für das Unbewusste

Evolutionär besteht unser Gehirn aus mehreren Teilen. Der bewusste Teil und alle Fähigkeiten, die dieser Teil braucht, finden wir im Neocortex, in der Hirnrinde. Das Wort Neocortex sagt bereits, dass dies ein relativ „neuer“ Teil unseres Gehirns ist. In der Evolutionsgeschichte findet man ihn erst bei uns Menschen. Der Neocortex bzw. die Hirnrinde arbeitet ähnlich wie ein Computer. Er dient der Informationsaufnahme, der Analyse, Reflexion, Empfindungs- und Gesamtwahrnehmung. Tatsachen und Kenntnisse werden in diesem Hirnbereich abgespeichert.

Viel älter ist der Hirnbereich, in dem das Unbewusste liegt. Es ist das Limbische System, das auch Säugetiergehirn genannt wird. Der Name „Säugetiergehirn“ weist darauf hin, dass dieser Hirnteil erstmals mit dem Auftreten der Säugetiere ausgebildet wurde.

Vom Limbischen System aus werden unsere Emotionen, das aktuelle Befinden und alle Körperfunktionen direkt gesteuert. Oft meinen wir, dass wir bewusste Entscheidungen treffen und bewusst Leben. Letztlich hat jedoch dieser ältere Hirnbereich mit dem Limbischen System bei allen Entscheidungen das letzte Wort. 

Biologisch ist diese Dominanz des Unbewussten und der Emotionen gegenüber der Vernunft sinnvoll. Denn durch automatisch ablaufende Befehle sorgt es dafür, dass wir das tun, was sich durch Erfahrung bewährt hat. Solche Erfahrungen können wir selbst im Verlauf von unserem Leben gesammelt haben. Oder es sind allgemeine und genetisch übernommene Erfahrungen unserer Spezies Mensch.

Während der Neocortex ähnlich wie ein Computer arbeitet, liefert das Unbewusste dazu einen riesigen „Datenspeicher“.

Einschalten der Automatikfunktion

Die meisten unserer Reflexe und Reaktionen laufen unbewusst ab. Sie basieren jeweils auf einer oder mehreren vergessenen Erinnerungen und Gelerntem, das nicht mehr in unserem bewussten Bereich liegt. Das Unbewusste ist damit quasi die Automatikfunktion unseres Gehirns. 

Ein immer wieder beeindruckender Reflex ist der Kniesehnenreflex. Mit einem kleinen Hämmerchen testet der Arzt mit einem gezielten leichten Schlag auf eine bestimmte Stelle unterhalb des Knies die Reflexe. Mit aller Konzentration und Anstrengung können wir diesen Reflex nicht kontrollieren und unterdrücken. Unser Unterschenkel springt einfach nach vorne, wenn eben die Automatikfunktion richtig funktioniert.

Praktisch jeder Mensch hat einmal solche Dinge wie das Fahrradfahren gelernt. Am Anfang müssen wir ganz bewusst bestimmte Bewegungen machen, damit es klappt. Beim Fahrradfahren sind das zum Beispiel das kontrollierte Abstoßen vom Boden mit einem Fuß, das Halten der Balance, das Treten und das Lenken. Irgendwann geht das in „Fleisch und Blut“ über. Es klappt nun automatisch. Niemand denkt dann noch über das Fahrradfahren an sich nach. Die Kapazitäten des Bewusstseins sind dann frei, um auf die Fahrbahn und den Verkehr zu achten.

Oft dient die Automatikfunktion des Unbewussten also einer Entlastung und der Lebenssicherung. Leider gibt es aber auch Programmierungen, die für uns heute entweder nicht mehr relevant sind oder sich sogar blockierend auswirken.

Alltagssteuerung durch das Unbewusste

Vieles im Alltag steuert das Unbewusste. Dies geschieht in der Regel auf der Grundlage unserer Erziehung und der Einflüsse, denen wir ausgesetzt sind. Denken, Reden und Handeln erfolgen vielfach automatisch. Wir sind uns der Tragweite in dem Moment meistens nicht bewusst. Das kann auch das eine oder andere Mal zu einer unguten Situation führen.

Vielleicht haben wir einmal eine negative Erfahrung gemacht, die das Unbewusste auf ähnliche Situationen überträgt. Es erfolgen dann Reaktionen, die eine Wiederholung der negativen Erfahrung verhindern sollen. In Beziehungen ist dies oft ein echtes Problem. Was dabei in Gang gesetzt wird, möchte ich an einem Beispiel zeigen.

Ein Praxisbeispiel

Zu Beginn meiner Ehe habe ich meinem Partner sehr viele liebevolle Aufmerksamkeiten entgegengebracht. Es waren oft nur kleine Dinge wie ein besonderes Rezept zum Mittagessen, das „Liebesbrief mit Grünkohlfüllung“ hieß, ein selbstgestrickter Pullover, ein kleines Schokoherz zum Valentinstag oder ein warmes Willkommen, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Mir war dies sehr wichtig und ich habe es aus meinem Herzen heraus gegeben ohne die Erwartung auf eine direkte Gegenleistung.

Für mich war es zunächst „normal“, so mit meinem Partner umzugehen. So habe ich es in meinem Elternhaus erlebt. Jeder gibt dem anderen etwas, ohne aufzurechnen. 

Es hat lange gedauert, aber irgendwann machte sich dann in mir das Gefühl breit, dass meine Aufmerksamkeiten gar nicht wahrgenommen werden. Und es war auf einmal ein Gefühl da, „er muss mir doch auch einmal etwas zurückgeben“. Allerdings hatte er diesen Automatismus nicht. 

Bei mir waren die ganzen Erlebnisse dieser Art inzwischen ins Unbewusste gegangen. Ich habe nicht jedes Mal darüber nachgedacht und die einzelnen Situationen analysiert. Plötzlich begann es aber, dass bei jeder neuen ähnlichen Situation alles wieder präsent war. Ich habe mich jedes Mal trauriger gefühlt. Die Emotionen der Enttäuschung wurden so heftig, dass ich Kleinigkeiten als sehr schlimm erlebte. So kam es dann zu Reaktionen, die allein aus einer relativ harmlosen Situation heraus gesehen übertrieben wirkten. 

Das Geben und Schenken von Aufmerksamkeiten wurde immer schwerer für mich. Aufgrund der abgespeicherten Erfahrungen kam nämlich immer gleich die Meldung, „lass es lieber, es wird sowieso nicht geschätzt und du bekommst schliesslich auch keine Aufmerksamkeit“.

Umprogrammierung der Automatikfunktion

Heute ist mir bewusst, welcher Prozess abgelaufen ist und welchen starken Einfluss die im Unbewussten gesammelten Erlebnissen und Informationen haben. Wie schön ist es, wenn wir einen solchen Prozess unterbrechen können. Das Unbewusste kann nämlich ins Bewusstsein geholt werden. In einer Beziehung könnten wir dadurch noch einmal von vorne anfangen, ohne in solche Reaktionsschleifen zu geraten.

Ich habe damals immer wieder den Vorwurf zu hören bekommen, dass ich nichts vergessen und verzeihen würde. Das war wohl so. Ich war einfach gefangen in der Automatikfunktion meines Unbewussten. 

Es gibt aber Möglichkeiten, dies zu durchbrechen. Wenn man die Ursachen für in harmlosen Situationen übertrieben scheinende Reaktionen aufdecken kann, ist bereits viel gewonnen. Mit innerwise ist dies möglich. Außerdem gibt es Hilfsmittel, um auf energetischer Ebene die vor Jahren entstandenen Blockaden zu lösen. Dann wird wieder ein entspannteres Miteinander möglich.

Um diese Zusammenhänge für mich zu klären, habe ich Jahre gebraucht. Nun bin ich sehr froh, mit innerwise einen wesentlich schnelleren Weg gefunden zu haben.

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