Unerpressbarkeit – eigenen Werten verpflichtet

Unerpressbarkeit - den eigenen Werten verpflichtet

Unerpressbarkeit ist ein weiterer Parameter der Integrität. Im Strafgesetzbuch § 253 (1) finden wir folgende Definition für Erpressung:

„Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Unabhängig von dieser juristischen und strafrelevanten Sichtweise gibt es jedoch zahlreiche andere oft sogar harmlos erscheinende Arten von Erpressung im Alltag. Dabei steht nicht immer ein materieller Vorteil im Vordergrund.

Suche nach dem Begriff „Unerpressbarkeit“

Macht man sich auf die Suche nach dem Begriff der Unerpressbarkeit, ist die Ausbeute sehr mager. Auf Wikipedia existiert dieser Begriff nicht. In ein paar wenigen Beispielen bezeichnen sich Politier als unerpressbar. Ebenfalls im politischen Zusammenhang wurde betont, sich nicht als Staat durch Forderungen von Terroristen erpressen zu lassen.

Was bedeutet Unerpressbarkeit aber für jeden einzelnen von uns?

Ich finde die Bedeutung dieses offensichtlich nicht sehr oft gebrauchten Begriffs sehr wichtig für ein integres Leben und es deshalb wert, ihn zu würdigen und mit Inhalt zu füllen.

Die eigenen Werte als Maßstab

Unerpressbarkeit hat wiederum viel mit der Orientierung an den eigenen Werten zu tun. Durch unser Bewusstsein für bestimmte Werte haben wir einen Richtungsweiser für richtig und falsch in uns. 

UnerpressbarkeitAus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sich ein Warner in mir immer dann meldet, wenn etwas nicht mit meinen Werten übereinstimmt. In meiner Werteskala sehr weit oben steht die Ehrlichkeit. Ist etwas nicht kompatibel mit dem, was ich als ehrlich empfinde, merke ich das direkt auf körperlicher Ebene. „Symptome“ wie innere Anspannung, Bauchkrämpfe oder Unruhe sind meine persönlichen Signalgeber.

Die Zeichen, die sich zeigen, können natürlich bei jedem Menschen auch andere sein. Du kannst dein persönliches Warnsystem kennen und verstehen lernen, wenn du verschiedene Situation in deinem Leben Revue passieren lässt, in denen du besonders gefordert warst, zu deinen Werten zu stehen. Beim nächsten Mal bist du so gut gerüstet.

Ebenen der Erpressung

Die klassische Vorstellung von Erpressung ist das Angebot einer Geldsumme für die Gegenleistung, etwas Bestimmtes zu tun. Dabei wird ein bestimmter Druck ausgeübt. In der Regel hat der Erpresser irgendetwas in der Hand, physisch oder in Form von Wissen, mit dem er dem Erpressten einen Schaden zufügen kann. Damit versucht er zum Beispiel eine bestimmte Handlung zu erreichen, die der Erpresste nicht aus freier Entscheidung tun würde.

Eine Variante ist über die Bedrohung der Familie oder Kinder etwas zu erreichen. Selbst wenn jemand für sich selber noch angedrohte Nachteile in Kauf nehmen würde, wird es schwerer standhaft zu bleiben, wenn es um geliebte nahestehende Menschen geht und diese bedroht werden.

Es gibt jedoch auch viel subtilere Arten der Erpressung. Eine Form kann ein gewisser gesellschaftlicher Druck sein. Wenn man sich nicht in einer bestimmten Art und Weise verhält, muss man mit Konsequenzen rechnen. Dabei kann es um die Zugehörigkeit zu einer bestimmte Gruppe bis zum Erhalt seiner Arbeitsstelle gehen.

In unserer Gesellschaft gibt es Tendenzen, Dinge so zu tun, wie es eine vermeintliche Mehrheit tut. In manchen Bereichen ist Individualität wenig gefragt. Sich konform mit der Masse zu bewegen scheint einfacher und für manche Führungsetagen das Ziel zu sein. Nur nicht auffallen, so kommt man in dieser Gesellschaft am besten zu recht heißt die Devise.

„Nein“ sagen

Aber was macht das mit uns Menschen? 

Jeder Mensch hat eine eigene Persönlichkeit, der es treu zu bleiben gilt. Tut er das nicht, wird er früher oder später die Folgen in Form von Krankheitserscheinungen zu spüren bekommen. 

UnerpressbarkeitUnerpressbarkeit bedeutet daher vor allem, auch „Nein“ sagen zu können. „Nein“ zu gesellschaftlichem Konformismus, „Nein“ zu vermeintlichen Zwängen, die gegen den eigenen Werte-Kompass ausgerichtet sind, und „Nein“ zum Mitmachen, um nicht aufzufallen oder einfach in Ruhe gelassen zu werden.

Natürlich, das kann eine Herausforderung sein. Eine solche „Nein“-Entscheidung kann mit negativen Konsequenzen verbunden sein. Sie bedeutet aber gleichzeitig ein „Ja“ zur mir selber, zu meinen Werten und schließlich auch zu meiner Gesundheit. 

Wenn wir dieses klare „Ja“ zu uns und unseren Werten nicht leben, werden sich ebenfalls auf die Dauer negative Folgen einstellen. Daher ist es immer der erfolgsversprechendere Weg, dem eigenen inneren Kompass zu folgen und nicht irgendwo abzubiegen, nur weil andere dort unterwegs sind.

Für mich bedeutet dies, sich nicht von gesellschaftlichen Strömungen erpressen zu lassen. Unerpressbarkeit stärkt die eigene Integrität.

Unerpressbarkeit – ganz aktuell

Für mich bedeutet Unerpressbarkeit, meine eigenen Werte nicht zu verraten, selbst wenn ich dadurch einen Vorteil in Form von Geld, Ansehen oder im Job hätte.

Augenblicklich gibt es für uns alle eine Herausforderung an unsere Unerpressbarkeit zum Thema Impfen. Nach sehr gründlichem Informieren und aufgrund aller mir zugänglichen Fakten habe ich mich gegen eine Impfung entschieden. Ich ändere meine Meinung nicht deshalb, weil mir versprochen wird, wieder Reisen zu können oder weil ich etwas gratis dazu bekomme. Das hat nichts mit der Sachebene, auf der es um Gesundheit gehen sollte, zu tun. 

Eine solche Verschiebung auf eine andere Ebene mit Versprechungen, die nichts mit dem Ziel einer Impfung aber dafür mit anderen gesellschaftlichen Nachteilen zu tun hat, ist für mich Erpressung. Für mich fühlt sich das nicht gut sondern unehrlich an. 

Unerpressbarkeit heißt für mich in diesem Fall, auf Reisen, Kino oder Restaurantbesuche zu verzichten. Mir ist es wichtiger meinen Werten treu zu bleiben. Das, was ich im Moment eben nicht tun kann, vermisse ich bei weitem nicht so sehr, wie es mir zu schaffen machen würde, wenn ich aus den falschen Gründen „ja“ zu etwas sage, was ich weder mit meinen fachlichen Erkenntnissen noch mit meinen Werten vereinbaren könnte.

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